Adblocker-Rate in Deutschland stabil; Adikteev bringt DCO-Technologie

ExchangeWire bündelt die wichtigsten Nachrichten der Region DACH aus der deutschsprachigen Programmatic-Szene. Diese Woche: BVDW Adblocker-Rate; Adikteev bringt DCO-Testing; AGOF misst Reichweite jetzt täglich; und Fünf Fragen an Danuta Florczyk, tectumedia.

Ein Fünftel aller Online-Display-Werbung geblockt

Gerade erst machte wieder ein Adblock-Urteil die Medienrunde, und dennoch bleibt der Anteil der auf dem Desktop geblockten Online-Display-Werbung in Deutschland nach wie vor stabil. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres lag er 20,44 Prozent, wie die aktuelle Messung des Online-Vermarkterkreises (OVK) im BVDW ergibt.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal erhöhte sich der Anteil der geblockten Werbung um ein Prozent – doch ist im Grunde seit Jahren schon stabil geblieben mit Rate zwischen 17 und 22 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres lag die Rate bei 19,92 Prozent.

„Wir rechnen von Messung zu Messung mit gewissen wellenförmigen Schwankungen”, so Stefan Schumacher, stellvertretender OVK-Vorsitzender. Dennoch warnt Schumacher: „Die derzeitige Entwicklung zeigt, dass das Thema nach wie vor sehr präsent ist. Wir müssen dabei am Ball bleiben und den Verbrauchern erklären, dass kostenfreie Dienste im Netz nur durch Werbepartner möglich sind. Wer Werbung blockt, schadet den Websites, die er nutzt, und damit sich selbst.“

Interessant: Im Bereich Mobile scheint das Problem Adblocking weit weniger präsent als im stationären Internet. „Hier liegt die Adblocker-Rate weiterhin im niedrigen einstelligen Bereich“, so Schumacher.

Adikteev baut Angebot in Deutschland aus

Vor knapp einem Monat startete die französische Ad-Plattform Adikteev auf dem deutsche Markt. Nun geht es weiter mit dem Technologieangebot. Nach erfolgreichem Einsatz in Frankreich bringt Adikteev seine DCO-Technologie auf den deutschen Markt. Dabei geht es um maschinenoptimierte Anzeigen, die mit Hilfe von KI und maschinellem Lernen individuelle Anzeigen für Nutzer konfiguriert.

DCO-Testing bei Adikteev

So bringt Adikteev seine Dynamic Creative Optimisation an den Start, bei denen Anzeigenschablonen die Grundlage für Ads bilden, deren Elemente in unterschiedlichen Versionen und mit verschiedenen Parametern hinterlegt werden. Ein Algorithmus testet verschiedene Layout- und Textoptionen und ermittelt, welche User auf welche Kombinationen am besten reagieren. Die künstliche Intelligenz der Technologie vergleicht die Versionen, um jedem Nutzer individuell und in Echtzeit die passende Anzeige einzublenden.

„Nutzer sehen im Endeffekt eine Anzeige mit der für sie höchsten Relevanz. Werbetreibende profitieren davon, dass das perfekt austarierte Creative deutlich bessere Resultate erzielt“, erklärt Clément Favier, Managing Director, Adikteev Deutschland. „DCO ist ein wesentlicher technischer Baustein bei unserem Ansatz, mobile Werbung ansprechender und relevanter für Nutzer zu machen. Die Werbemittel-Templates werden von unserem Design-Team im Pariser Büro kreiert, sodass auch dynamisch erzeugte Anzeigen mit ansprechendem Design überzeugen“, so Favier.

AGOF Digital Facts jetzt täglich

Mehr Daten von der AGOF. Ab sofort gibt es die Reichweitenmessung im täglichen Überblick, was vor allem im Rahmen von medial hervorgehobener Großveranstaltungen von Interesse sein dürfte. So können Reichweitendaten zurückdatiert bis 27. April 2017 abgerufen werden.

Das heißt, dass alle bisher von der AGOF zur Verfügung gestellten Leistungswerte als tägliche Messungen ausgewertet und für Mediapläne berücksichtigt werden. Verbessert wurden dabei übrigens die Daten zur der Nutzung auf verschiedenen Clients bzw. Browsern, die noch differenzierter dargestellt werden.

„Mit dem Start der daily digital facts hat die AGOF eines ihrer wohl ambitioniertesten Projekte der vergangenen Jahre realisiert”, freut sich Björn Kaspring, Vorstandsvorsitzender, AGOF. „In nur eineinhalb Jahren haben wir alle unsere Prozesse und Systeme neu aufgestellt und das bei gleichzeitigem störungsfreien Aufrechterhalten des Regelbetriebs. Das Ergebnis: Eine zeitgemäße, wegweisende und qualitativ-hochwertige Planungsgrundlage für den digitalen Markt.”

Zum Start der neuen Messeinblicke bringt die AGOF die täglichen Einzelauswertungen eines Monats zu Beginn des Folgemonats. Noch in diesem Herbst soll aber auf die tägliche Veröffentlichung der AGOF Daten umgestellt werden.

5 Fragen an Danuta Florczyk, Co-Gründerin und Co-Geschäftsführerin, tectumedia

Warum bauen Werbetreibende vermehrt inhouse Marketingkompetenzen auf?

Dafür gibt es im Wesentlichen, neben dem wirtschaftlichen Aspekt, zwei Gründe. Die Auswahl an zur Verfügung stehenden Tools wird größer – gleichzeitig ist Datenmanagement immer noch ein komplexes Thema, was intern mehr und mehr Abteilungen beschäftigt. Der Wunsch nach Transparenz ist also groß. Advertiser wollen Prozesse verstehen und das volle Potential aus den eigenen Daten schöpfen. Dazu zählt auch die Budgetverteilung selbst vorzunehmen. Bei all den Marketing-Möglichkeiten heutzutage, verlieren Unternehmen schnell den Überblick, wollen aber dennoch genau nachvollziehen, wo ihr Budget hinfließt und wie sie ihren Effizienzfaktor skalieren können.

Wie läuft ein Inhousing-Prozess ab und welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Danuta Florczyk, tectumedia

Ebenso wenig, wie Gießkannen-Marketing 2017 noch funktioniert, gibt es auch keine pauschale Inhouse-Lösung. Jeder Ablauf ist individuell und kundenspezifisch. Ein „Inhousing“ im Display Marketing beispielsweise ist ein Invest und dauert etwa 12-18 Monate. Bevor die eigentliche Beratung beginnt, müssen zunächst einige Faktoren und Prozesse analysiert werden. Diese erste Phase nimmt etwa 6-8 Monate in Anspruch. Dazu zählen vor allem die Key Performance Indikatoren und Steuerungs-Metriken, bestehende Media-Partnerschaften, das Assessment der wichtigsten Kanäle, Prozesse zur Erstellung der Werbemittel sowie die technische Infrastruktur. Darauf basierend folgen dann Vorschläge für Maßnahmen bis hin zu konkreten Business- und Budgetplänen. Für eine erfolgreiche Umsetzung benötigen die meisten Unternehmen einen Experten, der dies begleitet und vor allem das Personal schult. Denn Inhousing steht auf zwei Säulen: das technologische Setup und die operative Umsetzung. Eine Best-of-Breed Beratung zur Auswahl der Technologien wie beispielsweise Adserver, Tracking, Reporting-Tools oder Workflow unterstützende Plattformen ist ebenso wichtig wie die Unterstützung in der täglichen Anwendung. Dies ist der längste Prozess im Inhousing und dauert mindestens 6 Monate. Im Anschluss ist es für viele Unternehmen sinnvoll, einen Experten als Coaching- und Sparringspartner zu haben, der sie begleitet.


Welche Herausforderungen bringt die Umsetzung mit sich?

Bei Start-ups ist es einfacher, weil hier die Strukturen im Online-Marketing noch nicht weit entwickelt und überschaubar sind. Bei größeren Unternehmen wird es komplexer. Als erstes muss das technische Setup geprüft werden. Oft muss man sogar einen Schritt zurückgehen. Die besten Tools nützen nichts, wenn man sie nicht richtig versteht oder einsetzt. Es gilt aber, wie so oft: Ein kompetenter Partner an der Seite sind das A&O!

Und was ist insbesondere beim Inhousing von Programmatic Advertising zu beachten?

Im programmatischen Mediahandel gibt es zwei Besonderheiten, die beachtet werden sollten. Zum einen verlangen DSPs oft hohe Nutzungsgebühren für die monatliche Bedienung. Auch eine Minimal-Nutzung ist häufig für Werbetreibende nicht wirtschaftlich. Zum anderen spielt das technische Know-how eine tragende Rolle. Das richtige Setup, Datenverknüpfungen und Strategieverständnis sind wichtige Faktoren, um eine DSP sinnvoll zum Einsatz zu bringen. Generell sollte das Potenzial von Displaykampagnen vor einer inhouse DSP-Nutzung getestet werden, um Vertragsbindungen und Gebühren zu sparen. Ob sich letztendlich eine Inhouse-DSP-Lösung rentiert, hängt vom Businessmodell ab, jedoch empfiehlt es sich zur Leadgenerierung oder für Retargeting-Kampagnen tendenziell eher programmatisch einzukaufen.

Heißt das, dass Agenturen in diesem Zuge entbehrlich werden?

Trotz Inhousing verzichten die meisten Unternehmen nicht auf Agenturen. Was mehrere Vorteile hat: Daten können gemeinsam genutzt werden, Technologien wie programmatischer Media-Einkauf stehen zur Verfügung und Agenturen haben oft bessere Beziehungen zu Publishern, was nicht nur bessere Konditionen, sondern auch bessere Optimierungsmöglichkeiten mit sich bringt. Die Zusammenarbeit mit Agenturen wird auch weiterhin noch eine tragende Rolle spielen. Allerdings ändern sich die Aufgabenfelder der Agenturen zunehmend. Unternehmen brauchen viel mehr Beratung, Transparenz und Betreuung. Idealerweise sollten Agenturen mehr und mehr zum Partner werden, wie der verlängerte Arm des eigenen Teams.

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