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ProSiebenSat1 übernimmt Kairion; €3,95 Millionen für Nano Interactive

ExchangeWire bündelt die wichtigsten Nachrichten aus der Region DACH mit Schlaglicht-Interviews aus der deutschsprachigen Programmatic-Szene. Diese Woche: ProSiebenSat1 kauft Kairion; Kapitalspritze für Nano Interactive, Michael Schöning kehrt zu The Adex zurück; und Fünf Fragen an Kay Schneider, SmartX.

ProSiebenSat1 verstärkt sein Ad Tech-Portfolio

Mit einer Übernahme im Ad Tech-Bereich will sich die Mediengruppe ProSiebenSat1 in Sachen E-Commerce stärker aufstellen. Nach Virtual Minds und Esome holt sich ProSiebenSat1 nun den E-Commerce-Vermarkter Kairion ins Boot. Die Frankfurter waren bisher Teil der Cocomore AG und aggregieren die Werbeumfelder und Daten von Online Shops. In Zukuft soll Kairion Teil der Advertising Platform Solutions von ProSiebenSat.1 werden, dem Ad Tech-Arm der Mediengruppe.

Jens Mittnacht, Geschäftsführer Advertising Platform Solutions, ProSiebenSat1:„Kairion vereint die zielgruppengenaue Ansprache mit einer hohen Expertise im Data-Bereich und bietet so neben hohen Reichweiten für digitale Werbeangebote auch wertvolle Zielgruppen-Insights – etwa zu konkretem Kaufinteresse. Perspektivisch profitiert davon auch unsere Zukunftstechnologie Addressable TV, so dass wir unseren Werbepartnern künftig eine Aussteuerung ihrer Kampagnen bieten können, die noch zielgerichteter und damit effizienter ist.”

Kairion ermöglicht den Werbekunden die direkte Verlängerung von Branding-Kampagnen in den Online-Handel, indem den Nutzern auf der Basis von Echtzeit-Targeting nach Kaufinteressen die Werbebotschaften eingeblendet werden.

Über den Kaufpreis wurde bisher noch nichts bekannt. Im Dezember 2017 hatte ProSiebenSat1 seinen Ad Tech-Bereich mit dem Hamburger Social Advertising-Spezialisten Esome verstärkt.

Kapitalspritze für Nano Interactive

Die deutsche-britischen Targeting-Spezialisten Nano Interactive sammeln neues Kapital ein. Das Beteiligungskapitalunternehmen Foresight investiert €3.95 Millionen in Nano Interactive – Kapital, das das Unternehmen in die internationale Expansion stecken möchte, sowie den weiteren Ausbau seiner Sales-, Marketing- und Produktentwicklungsteams.

Für Nano Interactive sei die erste Kapitalrunde eine wichtiger Meilenstein in der Firmenentwicklung, so der Mitgründer und CEO von Nano Interactive, Christian Geyer. „Wir freuen uns mit Foresight zusammenzuarbeiten, unsere Expansion in Europa anzuschieben und so unsere führende Position im Search Targeting- Markt auszubauen.”

Vor allem auf die Ausweitung der Geschäftstätigkeiten in den existierenden Märkten Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Polen will sich Nano Interactive zunächst einmal konzentrieren, so Carl White, Mitgründer und Chief Strategy Officer zu ExchangeWire. Dabei gehe es vor allem darum, die Sales- und Marketing-Aktivitäten zu verstärken: „Die Advertiser übernehmen zunehmend das Intent-based Planning. Mit Hilfe der Investition von Foresight können wir mehr Produkte entwickeln, die genau das in einem transparenten und marken-sicheren Umfeld bieten.”

Mit dem neuen Kapital will Nano Interactive außerdem seine auf die Bedürfnisse von Advertisern zugeschnittene Lösung INSIST ausrollen. Die Finanzspritze für Nano Internactive ist Foresights siebte Investition innerhalb der vergangenen 12 Monate.

Zurück bei The Adex: Michael Schöning

Michael Schöning, The Adex

Mit dem neuen Jahr baut The Adex seine Führungsetage aus. Die virtual minds-Tochter erweitert das Team mit der neu geschaffenen Position eines Chief Sales Officers. Die neue Stelle hat ein alter Bekannter übernommen: Als CSO kümmert sich jetzt Michael Schöning um die Vertriebsabteilung von The Adex.

Mit Blick auf die Full-Tech-Stack-Strategie von Muttergesellschaft virtual minds arbeitet Schöning bei der vermarktungsstrategischen Ausrichtung und beim weiteren Ausbau der Vertriebsstrukturen eng mit virtual minds-Chef Hendrik Kempfert zusammen.

Michael Schöning freut sich über den Wiedereinstieg bei The Adex: „Für die Rückkehr zu The Adex in neuer Verantwortung kann es keinen besseren Zeitpunkt geben. Die Data-Management-Plattform von The Adex hat sich als marktführende Lösung in Deutschland etabliert und mit den innovativen Ideen und Angeboten im Bereich Data Services werden wir neue Märkte und Kundensegmente europaweit erschließen.

Von 2014 bis 2015 war Schöning schon einmal bei The Adex, damals als Country Manager. Er wechselt nun von einer Position als Vice President Sales DACH bei der Schweizer DMP 1plusX. Davor hatte Schöning als Sales Director DACH die Vertriebsaktivitäten von Exactag geleitet.

Fünf Fragen an Kay Schneider, General Manager, SmartX Platform

Zweitpreisauktionen sind der Standard für Ad Trading. Wo liegen die Vorteile und warum haben sie sich zum Standard entwickelt?

Bei Zweitpreisauktionen gewinnt derjenige, der den höchsten Preis bietet, dieser zahlt allerdings nur den Preis des zweithöchsten Gebots. Die Spieltheorie vermutet, dass Käufer gewillt sind, höher zu bieten, wenn sie die Chance auf einen wesentlich niedrigeren Preis bekommen. In der Theorie steigen die durchschnittlichen Gewinne der Auktionen an.

Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum Google und andere Exchanges und SSPs Zweitpreisauktionen als Ad Trading Standard festgelegt haben, aber sicherlich auch, weil die Preisbildung nicht offen nachvollziehbar ist. Im Übrigen bleibt fraglich, ob Zweitpreisauktionen wirklich höhere Preise erzielen.

Warum wird gerade jetzt der Wechsel von Zweitpreisauktionen auf Erstpreisauktionen diskutiert?

Kay Schneider, SmartX

Bisherige Bieterverfahren haben keinen dringenden Anlass gegeben, das System grundlegend zu ändern. Durch die wachsende Verbreitung von Header Bidding haben sich die Vorzeichen aber gewandelt. Das Prinzip von Header Bidding fußt auf der Entscheidungsfindung einer Erstpreisauktion. Wenn multiple SSPs in diesen Prozess eingebunden sind, aus denen jeweils der zweithöchste Preis als Gebot resultiert, erhält der Publisher in aller Regel einen niedrigeren finalen Preis als in einem konsistenten Erstpreissystem. Wird Header Bidding eingesetzt, ist es also vermutlich sinnvoller für SSPs, auf Erstpreisauktionen umzustellen.

Es sind bereits erste Bedenken bezüglich der Umstellung von Zweitpreis- auf Erstpreisauktionen geäußert worden. Einige DSPs glauben, dass Käufer hohe Beträge verlieren, da sie unwissentlich an Erstpreisauktionen teilnehmen. Wie begegnet ihr dem?

Gute DSPs schützen ihre Kunden vor solchen Problemen. Entsprechend dem openRTB Protokoll sollte jede Buchungsanfrage die Information über den Auktionstypen der Transaktion verfügen. Viele DSPs verbieten Erstpreisauktionen, falls dieses optionale Element im openRTB Protokoll nicht berücksichtigt ist. Grundsätzlich sollten DSPs sehr schnell erfahren, dass eine Auktion auf Erstpreismechanismen fußt und in der Pflicht und der Lage sein, ihre Kunden zu schützen.

Welchen Rat hast du für die Käuferseite, wenn diese mit Erstpreisauktionen in Berührung kommen?

Käufern raten wir sich zu informieren, wie ihre eingesetzte DSP sie vor Missbrauch der Auktionstypen schützt. Sollte bereits Geld verloren worden sein, ist ein Wechsel der DSP ratsam. Bei der Nutzung von Open Exchanges sollten – sogern von der DSP unterstützt – entsprechende Filter gesetzt werden, bei Private Auctions ist der direkte Austausch von Bedeutung – beide Seiten müssen immer über die genutzte Auktionsart abgestimmt sein.

Wann macht es für Verkäufer Sinn umzustellen, und was muss beachtet werden?

Verkäufer sollten sich stets informieren über welche Optionen sie verfügen. Im Austausch mit der eigenen SSP gilt es abzustimmen, wie Kontrolle und Transparenz über die gewählten Auktionsarten optimal gewahrt bleiben. Wer Header Bidding nutzt, sollte darüber nachdenken, von Zweitpreis- auf Erstpreisauktionen zu wechseln. Wenn umgestellt wird, sind Transparenz und proaktive Kommunikation wichtig, bei Private Exchanges auch im direkten Austausch mit den Käufern.

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