BVDW kritisiert E-Privacy-Verordnung der EU; TabMo und adsquare kooperieren

ExchangeWire bündelt die wichtigsten Nachrichten aus der Region DACH mit Schlaglicht-Interviews aus der deutschsprachigen Programmatic-Szene. Diese Woche: BVDW kritisiert EU Kommissions E-Privacy-Verordnung; Kooperation zwischen adsquare und TabMo; Orbyd wächst; taz wählt Yieldlove als Onlinevermarkter; und Fünf Fragen an Alexander Erlmeier, MD Central Europe, Outbrain.

BVDW kritisiert E-Privacy-Verordnung der EU

Am Dienstag brachte die EU einen neuen Entwurf einer zukünftigen E-Privacy-Verordnung heraus. Bei dem deutschen Branchenverband BVDW stoßen die neuen Regularien auf wenig Begeisterung. Der Entwurf gehe zu weit und „torpediere die digitale Gesellschaft”, so der BVDW in einer Pressemitteilung.

So sei unter anderem eine Einwilligungspflicht für Datenverarbeitung im Internet geplant, die bei tatsächlicher Umsetzung die Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttern dürften. Denn im Entwurf wird nicht mehr zwischen personenbezogenen, pseudonymen und anonymen Daten unterschieden – was im Umkehrschluss bedeutet, dass Cookies nur noch mit expliziter Zustimmung der Nutzer gesetzt werden können. Das dürfte datenverarbeitende Angebote wie die Reichweitenmessung oder andere Analysedienste, gleich wie auch die Einblendung digitaler Werbung, beeinträchtigen.

BVDW-Vizepräsident Thomas Duhr: „Diese Verordnung stellt etablierte und von den Verbrauchern akzeptierte Geschäftsmodelle in Frage und negiert fundamentale Prinzipien der Digitalen Wirtschaft. Das Internet, wie wir es heute kennen, wird es damit nicht mehr geben.“

„Eine solche Regelung bevorteilt vor allem Login-basierte Nutzungsmodelle, bei denen Nutzer ein pauschales Einverständnis für die Erhebung und Verarbeitung ihrer Daten geben. Zudem konterkariert das Vorhaben die auf der Datenverarbeitung basierende Arbeitsteilung digitaler Produkte und Dienstleistungen“, so Duhr. „Die Kommission zielt mit diesem Vorschlag auf ein Verbot der Daten- und Informationsverarbeitung auch in Fällen, in denen die Daten keinen Personenbezug haben.”

Der BVDW erhofft sich nun von den EU-Behörden eine Nachbesserung des Entwurfs, um die „realitätsfernen und rückwärtsgewandten Vorschläge der Kommission“ an die digitale Realität anzupassen.

adsquare und TabMo kooperieren

Der mobile Videowerber TabMo und die Data Exchange adsquare starten eine neue europäische Partnerschaft. Dank der Kooperation sollen mobile Werbekampagnen effektiver gemacht werden, indem die Werbebotschaften zielgenau im passenden Kontext ausgeliefert werden – und das über einen einzigen Anlaufpunkt. Dazu werde adsquares Lösungen und die mobile DSP Hawk von TabMo integriert.

Tom Laband, CEO, adsquare, freut sich über die Zusammenarbeit mit TabMo. Gemeinsam wolle man Käufern und Verkäufern im Bereich Programmatic dabei helfen, passende, relevante Werbung, die das entsprechende User-Engagement hervorrufe, auszuliefern.

Chris Childs, MD UK, TabMo: „Die Vollintegration mit adsquare macht es unseren Kunden noch schneller und einfacher, maßgeschneiderte, robuste und skalierbare Audience-Segmente zusammenzustellen, die ihre mobilen Werbeanstrengungen so effektiv wie möglich machen.” Da adsquare genau wie TabMo speziell für Mobile entwickelt, sei die Kooperation ein ‘strong fit’, so der TabMo-Chef.

taz.de wechselt Adserver und Onlinevermarkter

Neues Jahr, neuer Onlinevermarkter bei der taz. Die Berliner Mediengruppe hat sich jetzt für die Hamburger Yieldlove GmbH entschieden, die DoubleClick for Publishers auf taz.de einbinden wird, so die Tageszeitung in einem Artikel in eigener Sache. Das bestehende digitale Anzeigeninventar soll darüber monetarisiert werden. Allerdings will die taz weiterhin leserfreundlich bleiben und großflächige Anzeigenformate und Pop-up-Ads vermeiden.

Großkonzern Google ist für die taz oft genug als rotes Tuch aufgefallen. Dennoch habe man sich für ein Google-Produkt entschieden – wohl nicht zuletzt, weil der Marktführer dem finanziell wackligen Print-Organ solide die Monetarisierungsmöglichkeiten bietet.

Nicht zuletzt hat die taz die Zeichen der Zeit erkannt: „Der Markt ändert sich spürbar, die Vermarktung wird schwieriger, moderne Technologien, die es erlauben, das Inventar bestmöglich zu verkaufen und zu optimieren, sind bereits jetzt unverzichtbar. Die neue Plattform verbindet unsere freien Werbeplätze auf taz.de mit den führenden RTB (Real Time Bidding) Exchanges und Netzwerken, damit jeder Platz mit dem höchst möglichen Preis bespielt wird.”

Mit den neuen Werbetechnologiepartnern erhofft sich die taz nun deutliches Wachstum des digitalen Umsatz auf der mobilen Website der taz.

Orbyd baut Hamburger Standort aus

Orbyd will sich vergrößern. Das März 2015 gegründete Start-up erschließt mit seiner Meta-SSP Programmatic Advertising für Kunden wie BCN, CondéNast oder Scout24. Um das Wachstum zu beschleunigen, holt sich Orbyd jetzt zunächst einmal einen Business Development-Experten ins Boot.

Felix Herkenrath hat zu Jahresbeginn bereits bei Orbyd seinen neuen Posten als Head of Business Development aufgenommen. Der gebürtige Düsseldorfer soll bei Orbyd die Vertriebsaktivitäten verantworten und den Ausbau des Bestandskundengeschäfts vorantreiben.

„Durch seine Expertise in großen Medienkonzernen kann Felix sich perfekt mit den Bedürfnissen und Anforderungen von Verlagshäusern identifizieren und somit maßgeblich dazu beitragen, den automatisierten Mediahandel in der DACH Region weiter voranzutreiben”, freut sich Orbyd-Chefin Frederike Voss über den Neuzugang.

Mittlerweile hat Orbyd in Deutschland ein 15-köpfiges Team zusammengestellt – das es aber zu erweitern gilt, so Voss im Gespräch mit ExchangeWire: „2017 planen wir 100 Prozent Wachstum!”

Vor allem der Hamburger Standort soll wachsen: „Der Bedarf an lokal angepassten Service im Bereich Programmatic Advertising ist enorm, daher bauen wir unser Hamburger Team insbesondere im Bereich Vertrieb und Partner Management weiter aus.”

Orbyd ist übrigens auch mit einem Standort in Köln vertreten.

Fünf Fragen an Alexander Erlmeier, MD Central Europe, Outbrain.

Outbrain ist eine Recommendation Engine. Hat sich der Einsatz bei deutschen Publishern schon durchgesetzt? Könnt ihr Zahlen für den deutschen Markt nennen?

Mittlerweile erreichen wir in Deutschland 42 Millionen Unique Clients. Zudem haben wir mit Bild.de, Spiegel Online und Focus Online die drei größten Premium-Nachrichtenseiten als Partner für unser Netzwerk gewinnen können. Aber auch in den Verticals Finanzen, Automotive, Frauen und Technik vertrauen die Marktführer wie Chip, Bunte, Autobild oder Handelsblatt auf unsere Technologie und Monetarisierung. Dies spricht also definitiv für ein Durchdringen des Marktes. In Zeiten von Adblockern werden native Empfehlungen deutlich stärker angenommen als Banner oder Pop-Ups.

Seit Kurzem arbeitet Outbrain mit dem Spiegel zusammen. Gibt es schon erste Zahlen zu der Zusammenarbeit?

Wir können bisher nur soviel sagen, dass der Start für beide Seiten überaus reibungslos und positiv verlief. Auch mit der Performance sind wir sehr zufrieden.

Wie entgegnet ihr dem Vorwurf, dass die Content Recommendations von Nutzern als Clickbait wahrgenommen werden?

Clickbait erweist sich als zunehmendes Problem für Bild-Text-Anzeigenvermarkter. Wir haben sehr strenge Content-Richtlinien, technologische Maßnahmen und manuelle Eingriffsmöglichkeiten, um dafür zu sorgen, dass die Content-Qualität in unserem Netzwerk hoch bleibt. Das zeigt übrigens auch ein unabhängiger Test von testbericht.de. Hier glänzen wir durch Abwesenheit in einer Liste von Marktteilnehmern, die Fake-News verbreiten. Unsere Netzwerkqualität ist ein wichtiger Grund, weswegen sich Publisher für uns entscheiden. Zudem generieren sie Traffic auf ihren eigenen Content. 70 Prozent der aufgerufenen Empfehlungen sind organisch. Wenig beachtet wird darüber hinaus die Tatsache, dass Publisher Einnahmen, die durch Werbung generiert werden, benötigen, um guten Journalismus bezahlen zu können. Seit unserem Start haben wir international ca. 1 Milliarde US-Dollar an Publisher gezahlt.

Neu ist bei euch Outbrain for Chat – was genau ist das und wieso ist das für Publisher von Vorteil?

Outbrain for Chat ist ein Chatbot, der User dort mit Content von Publishern versorgt, wo sie auch zu finden sind: in Messaging Apps. Mittlerweile generieren die vier größten Messaging Apps mehr Konsumenten-Kontakte als die vier größten sozialen Netzwerke. Mit unserem intelligenten Chatbot erhalten Nutzer Informationen zu ihren bevorzugten Themenfeldern direkt in ihrem Lieblings-Messenger in einer Art, die der natürlichen Konversation nachempfunden ist. Interessiert sich ein Nutzer für den Content, erhält er weitere Empfehlungen zum Thema oder wird auf die Seite des Publishers geleitet, wo er monetarisiert werden kann. Neben CNN setzen bereits einige namhafte internationale Publisher wie Sky, People oder NME auf unsere Chat-Plattform.

Die obligatorische Jahresvorhersage am Schluss – was erwartest du für den Bereich Programmatic im jetzt startenden Jahr?

Wir erleben im digitalen Marketing-Markt eine extreme Fragmentierung. Es gibt viele unterschiedliche Arten und Plattformen, auf denen Werbung möglich ist. Der Effizienzdruck ist daher sehr hoch, was Programmatic im Jahr 2017 zweistellige Wachstumsraten bescheren wird. Auch im Bereich Content-Distribution werden wir eine deutliche Zunahme sehen. Outbrain selbst verfolgt unterschiedliche Ansätze in diesem Bereich. So ermöglichen wir heute schon eine kontrollierte Einbuchung von Kampagnen über eine API. Qualität geht bei uns auch hier vor. 2017 wird also ein gutes Jahr für Programmatic.

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