Agentur-Gütesiegel vom BVDW; Evania Video und Fraudlogix kooperieren

ExchangeWire bündelt die wichtigsten Nachrichten aus der Region DACH mit Schlaglicht-Interviews aus der deutschsprachigen Programmatic-Szene. Diese Woche: Neues Programmatic-Gütesiegel für Agenturen vom BVDW; Evania Video und Fraudlogix kooperieren; Fyber bringt neue Demand-orientierte Nutzeroberfläche; und Fünf Fragen an Volker Ballueder, Rocket Fuel.

Programmatic-Gütesiegel für Agenturen

Der BVDW bringt ein neues Gütesiegel für die programmatische Wirtschaft an den Start. Nach den Ad-Tech-Anbietern wendet sich der Industrieverband mit seiner Initiative jetzt an die Agenturen: Das BVDW-Zertifikat Programmatic Advertising für Agenturen kann ab dem morgigen 2. Oktober für Agenturen mit Sitz in Deutschland angestrebt werden.

„Mit dem Code of Conduct hat der BVDW einen auch international viel beachteten Grundstein dafür gelegt, gemeinsame Standards und Transparenz im Markt für Programmatic Advertising zu etablieren”, so Duhr, Vizepräsident, BVDW. „Nun ist mit dem Zertifikat für Agenturen ein weiterer wesentlicher Schritt gelungen.”

Mit dem Gütesiegel will der BVDW die Dienstleisterauswahl vereinfachen: „Das Zertifikat ist das geeignete Produkt um die Lücke im Markt zu schließen, da es die Arbeitsweise, das Know-how und die Qualität in der Beratung der Agenturen bewertet, und zertifiziert. Es baut das Qualitätsniveau im Programmatic Advertising mit Signalwirkung in Richtung Werbungtreibender aus“, so Siamac Rahnavard, Stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Programmatic Advertising im BVDW.

Dabei müssen die zertifizierten Agenturen einige Kriterien erfüllen, um vom BVDW abgesegnet zu werden „Wir werden das Zertifikat nicht verschenken. Die Hürden sind wirklich hoch“, so Rahnavard. Die Bewertungskriterien sind dabei: Erfahrung (20 Prozent), Arbeitsweise (40 Prozent), Kundenzufriedenheit (30 Prozent) und Engagement am Markt (10 Prozent). Vorgenommen wird die Bewertung durch einen Expertenbeirat, der aus 15 Mitgliedern aus den entsprechenden Teilnehmergruppen am digitalen Handel zusammengesetzt ist. Dies sind zum Beispiel Werbungtreibende, Agentur-Vertreter und Teilnehmer weiterer Unternehmen. Die Expertengruppe soll Anfang November gewählt werden.

Für das Gütesiegel können sich Agenturen ab 2. Oktober bewerben. Die Gültigkeit des Zertifikats beginnt ab dem 1. Januar 2018 und beträgt 24 Monate.

Evania und Fraudlogix kooperieren

Die Videoplattform Evania Video will ihren Kunden beim Kampf gegen Ad Fraud, Viewability und Domain-Masking beistehen und die Markensicherheit erhöhen. Zu diesem Zweck kooperiert die Berliner Plattform mit den Fraud Detection- und Verifikationsexperten Fraudlogix. Über die Zusammenarbeit kann Evania Video auf Echtzeitdaten hinsichtlich der eigenen Inventarqualität zugreifen. Fraudlogix überwacht somit den Evania-Traffic hinsichtlich Ad Fraud.

Oded Shoham, Evania

Oded Shoham, CEO von Evania Video: „Bei Evania Video sind wir extrem sorgfältig, was auf unseren Kampf gegen betrügerischen Traffic angeht. Wir freuen uns, mit Fraudlogix zusammenzuarbeiten, um uns noch besser zu rüsten und unsere Partnerschaften dank Fraudlogix Anti-Fraud nd Verifizierungs-Tools abzusichern.”

Betrifft Ad Fraud den deutschen Markt im gleichen Maß wie andere Märkte? „In Deutschland ist Ad Fraud noch auf einem niedrigen Niveau verglichen zu anderen Märkten, trotzdem ist das Thema sehr aktuell und Betrug in der Marketingwelt muss aktiv bekämpft werden”, so Shoham gegenüber ExchangeWire. „Wenn Anzeigen nicht tatsächlich, sprich, von einem existenten User gesehen werden, kann das Ziel des Werbenden nicht erreicht werden. Hierbei ist die große Herausforderung, dass Ad Fraud immer im Wandel ist. Neue Formen des Betrugs und Cyberkriminalität benötigen die Aufmerksamkeit eines Jeden, der sich in dieser Branche beteiligt.”

Im Gespräch mit ExchangeWire sagt Hawaii Shechter, CEO, Fraudlogix, dass eine direkte Korrelation zwischen Ad Fraud und den CPMs für Anzeigen besteht: „Fraud folgt dem Geld. So sind Länder mit starken Volkswirtschaften, die hohe CPMs in den programmatischen Märkten (z. B. Deutschland und den Vereinigten Staaten) verzeichnen, attraktivere Ziele, wenn es um Anzeigenbetrug geht. Der Pay-out ist größer. “

Diese Korrelation lässt sich durch Zahlen belegen, so Shechter: „Wir haben vor kurzem gezielt App-Install-Betrug betrachtet und dabei eine Korrelation zwischen CPI und betrügerischen Installs in europäischen Ländern festgestellt. Großbritannien und Deutschland verzeichnen beide einige der höchsten Zahlen betrügerischen Installationen sowie hohe CPI-Raten.”

Evania Video hat vor kurzem begonnen, sein Videoangebot auch außerhalb von Deutschland zugänglich zu machen. Die Expansion dürfte durch die jüngste Kapitalspritze dank den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an Evania Video durch Main Capital Partners gestärkt werden.

Mehr Transparenz bei Fyber dank neuer Demand-facing Nutzeroberfläche

Die Video-SSP Fyber startet eine neue Demand-orientierte Benutzeroberfläche und erweitert ihren Optimierungsalgorithmus für QPS-Throttling. Die Änderungen zielen auf mehr Transparenz und bessere Optimierungsmöglichkeiten für die Demand-Partner ab.

Laut Fyber sollen die neuen Funktionen die Effizienz verbessern und den DSPs Werkzeuge zur Optimierung ihrer programmatischen Kaufstrategie bieten. Die proprietäre QPS-Throttling-Technologie zur effektiven Verwaltung und Nutzung von Inventar hilft den DSPs ihre Effizienz beim Einkauf zu maximieren, indem Fehler durch Buys aus multiplen Plattformen reduziert werden.

„DSPs sehen enorme Mengen an oft irrelevantem Traffic und müssen hohe Serverkosten bezahlen, um den Traffic zu analysieren und die relevanten Impressions zu identifizieren”, erklärt Erwin Plomp, Chief Business Officer, Fyber RTB. „Unser Ziel ist es, die Effizienz des Handels zu steigern, indem wir QPS-Throttling bei uns abwickeln und den DSPs nur relevanten Traffic weitergeben, auf den diese auf Basis von bisherigen Gebotsverläufen, eigenen Einstellungen und anderen Parametern wahrscheinlich bieten würden.”

Fyber arbeitet daneben kontinuierlich weiter an seinem Algorithmus, dessen Version 2.0 voraussichtlich Ende 2017 erscheinen wird. Die neue DSP-Benutzeroberfläche ist jedoch bereits aktiviert. Plomp: „Die Implementierung einer DSP-Benutzeroberfläche ist sicherlich ein wichtiger Meilenstein für Fyber RTB. Wir erweitern und optimieren unsere Plattform kontinuierlich, um eine hohe operative Effizienz zwischen Angebot und Nachfrage zu gewährleisten. Obwohl Fyber RTB eine SSP ist, wollten wir den DSPs ein Werkzeug an die Hand geben, das ihnen Transparenz über die Performance ihrer Anzeigen gewährt und dabei hilft, datengesteuerte Entscheidungen zur Verbesserung ihrer Kaufstrategie zu treffen.”

Fünf Fragen an Volker Ballueder, VP Client Success, International und Acting Managing Director DACH

In eurer Studie und Zukunftsprognose zur Zukunft von Marketing-Plattformen hat Rocket Fuel kürzlich die steigende Bedeutung von KI-getriebenen Plattformen diagnostiziert. Wozu dient KI im Bereich Marketing?

Volker Ballueder, Rocket Fuel

Unsere Welt besteht immer häufiger und aus immer mehr Daten. Diese Datenmengen sind für Menschen schon längst nicht mehr zu handhaben. Daher hat die Bedeutung Künstlicher Intelligenz im Marketing in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Mit selbstlernenden Algorithmen lässt sich Predictive Marketing umsetzen – d.h. man kann für einzelne Nutzer und für einzelne Momente Wahrscheinlichkeiten ermitteln, wie empfänglich der betreffende Nutzer für eine Botschaft sein wird. Das ist eine extrem wertvolle Information, denn sie kann die Effizienz des eingesetzten Marketing-Budgets dramatisch steigern.

Und wie genau kann KI zum Beispiel die Customer Experience stützen?

Der Schlüssel zu einer optimalen Customer Experience ist immer die Relevanz. Egal, ob ein Nutzer mit Content eines Publishers oder eben mit der Werbebotschaft eines Advertisers konfrontiert wird – je relevanter die Botschaft, desto zufriedener wird der Nutzer sein. KI kann, basierend auf der Analyse von Daten, ermitteln, was für den jeweiligen Nutzer relevant

Welche Rolle spielen Daten dabei?

Wie gesagt: Mit selbstlernenden Algorithmen lässt sich Predictive Marketing umsetzen, das die Effizienz des eingesetzten Marketing-Budgets dramatisch steigern kann.

Wie wird die Entwicklung deiner Meinung nach weitergehen?

Datengetriebene Ansätze und die Umsetzung von Datenstrategien sind bereits seit einiger Zeit ein großes Thema. Unsere Studie „Future of Platforms“ hat gezeigt, dass im nächsten Schritt das Thema Daten-Qualität zunehmend in den Fokus rückt. Außerdem stehen wir hinsichtlich des Einsatzes und des Potenzials von Künstlicher Intelligenz immer noch ganz am Anfang. KI wird unsere Branche weiter umkrempeln! Außerdem wird sie auch unseren Alltag immer stärker beeinflussen – man muss ja nur an Autonomes Fahren, digitale Assistenten oder Chatbots denken.

Was müssen die verschiedenen Stakeholder jetzt machen, um den Anschluss nicht zu verlieren?

Der erste Schritt ist klar: Wirklich jedes Unternehmen sollte sich mit damit auseinandersetzen. Die meisten haben sich bereits mit dem Daten-Thema beschäftigt, aber welche Auswirkungen wird KI auf sämtliche Bereiche ihres Geschäfts haben? Das betrifft nicht nur unsere Kunden – also Agenturen und Brands – sondern auch die AdTech-Unternehmen selbst. Der kürzlich erfolgte Zusammenschluss mit Sizmek ist auch in diesem Zusammenhang zu sehen: Wir kombinieren künftig Rocket Fuels KI-Fähigkeiten mit Sizmeks Expertise im Bereich Creative Optimisation und werden dadurch einen wichtigen Schritt machen in Richtung der optimalen Customer Experience.

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