Deutscher Programmatic Code of Conduct; Anti-Ad-Fraud Initiative von Adjust

ExchangeWire bündelt die wichtigsten Nachrichten aus der Region DACH mit Schlaglicht-Interviews aus der deutschsprachigen Programmatic-Szene. Diese Woche:  Deutscher Programmatic Code of Conduct; Adjust mobilisiert gegen Ad Fraud; Neue App-Daten für adsquare; und Fünf Fragen zum Code of Conduct an Julian Simons, BVDW-Fokusgruppe Programmatic.

BVDW ruft zur Selbstverpflichtung auf Code of Conduct auf

Nach zweijähriger Vorlaufzeit ist es jetzt soweit: Der BVDW wagt mit seinem Programmatic Code of Conduct einen Vorstoß in die Standardisierung des Marktes. Mit Hilfe der Selbstverpflichtung will der Branchenverband das Vertrauen in den automatisierten Werbehandel stärken, sich dem Problem wie Ad Fraud widmen und dem Vorwurf der fehlenden Transparenz stellen.

„Es ist uns gelungen, in einem aufwändigen Prozess mit intensiven Diskussionen alle Marktpartner auf diese einheitlichen Standards zu verständigen, um die richtigen Impulse für die Entwicklung von Programmatic Advertising in Deutschland zu setzen,“ sagt Julian Simons, stv. Vorsitzender der Fokusgruppe Programmatic Advertising im BVDW. „Programmatic Advertising ist mit dem Versprechen angetreten, effizientere und vor allem transparentere Prozesse zu ermöglichen und mehr Kontrollmöglichkeiten zu bieten. Genau das soll die Selbstverpflichtung vorantreiben.“

Über 40 Unternehmen haben sich dem Vorstoß des BVDW angeschlossen, bei der Ausarbeitung des Regelwerks mitgearbeitet und den Code of Conduct unterzeichnet. Mit dabei sind unter anderem Appnexus, Adform, MediaMath, Rocket Fuel, Spiegel Verlag, SpotX, Teads, Improve Digital und andere. Mit Abwesenheit glänzen jedoch noch die Branchenriesen Google und Facebook.

Teil der Initiative ist übrigens ein 8-köpfiger Beschwerdeausschuss aus Vertretern der 40 Erstunterzeichner, der eventuelle Verstöße gegen die Selbstverpflichtung prüft, aber auch als Ansprechpartner für die teilnehmenden Unternehmen zur Verfügung steht. Die Selbstverpflichtung steht jetzt auch Unternehmen offen, die dem BVDW nicht angehören.

Adjust macht gegen Ad Fraud mobil

Kürzlich nach USA expandiert, jetzt mit einer neuen Initiative in Deutschland aktiv: Attribution-Anbieter Adjust tut sich mit mobilen Anzeigennetzwerken und App-Vermarktern zusammen, um dem mobilen Ad Fraud entgegenzutreten.

Gemeinsam mit Aarki, Chartboost, ClicksMob, Criteo, crobo, Glispa, IronSource, Jampp, Remerge, Startapp, Tapjoy und Vungle will Adjust an der Entwicklung von global gültigen Standards in Sachen Ad Fraud-Erkennung und -Vermeidung arbeiten:

„Gegen Ad Fraud zu kämpfen verlangt kontinuierliche Investitionen in Technologie sowie die Bereitschaft von Partnern sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Aus diesem Grund haben wir die führenden globalen Ad Netzwerke zu dieser Allianz zusammengebracht. Ad Fraud ist schließlich ein großes Problem von uns allen”, so Christian Henschel, CEO, Adjust, der Transparenz für das beste Mittel im Kampf gegen den Werbebetrug ist.

Gemeinsam wirksamer – indem also die Ressourcen gebündelt werden, wollen die Partner im Rahmen ihrer Adtech-Allianz die Anti-Ad Fraud-Technologie von Adjust einsetzen. Dabei werden betrügerische App-Installationen von Adjust identifiziert und die fälschliche Attributierung verhindert.

App-Daten für adsquare

Der mobile Datenlieferant adsquare erweitert sein Datenportfolio. In Zusammenarbeit mit Anbietern wie 43Matters, Adgnitio, Grapeshot, Mobilewalla und oneAdience ergänzt das Berliner Ad-Tech-Unternehmen seinen Pool von App-Nutzungsdaten. Diese Datenanbieter verfügen über Lösungen zur Ableitung von Zielgruppensegmenten, die auf App-Nutzung und Kontext basieren. Die Daten werden den Kunden über die Adsquare-AMP zur Verfügung gestellt.

„Bei unseren Bemühungen, über Standortdaten hinauszugehen, sind Nutzungsdaten eine effiziente Möglichkeit, Benutzer-Soziodemografie, Interessen und Lebensstil zu analysieren,“ sagt Tom Laband, adquare CEO und Co-Founder. „Diese Daten in Echtzeit zugänglich zu machen, ermöglichen Moment-Marketing und ganzheitliches Zielgruppen-Targeting, was zu einer effektiveren Werbung für Marken führt.“

Durch das erweiterte Audience-Modelling-Tool kombinieren Käufer Daten aus verschiedenen Quellen und wenden diese in Echtzeit zum Targeting auf der Basis von Standorten oder App-Nutzung an.

Fünf Fragen an Julian Simons, stv. Vorsitzender der Fokusgruppe Programmatic Advertising im BVDW

Wer hat das Dokument eigentlich erarbeitet?
Erarbeitet wurde der CoC von rund 40 Mitgliedsunternehmen die im Bereich Programmatic Advertising tätig sind, also Vertreter von Sell-Side-Plattformen, Verantwortliche für Programmatic Advertising bei Online-Vermarktern, die Demand-Seite, zum Beispiel Vertreter von Agency Trading Desks sowie Vertreter von Daten-Dienstleistern und Agenturen. Diese Unternehmen haben die Mindeststandards und Kriterien in regelmäßigem Austausch und laufender Abstimmung gemeinsam entwickelt.

Gab es einen konkreten Anstoß dazu?
Wir arbeiten bereits seit über zwei Jahren an diesem Code of Conduct. Programmatic Advertising ist ein relativ neues Thema im digitalen Mediahandel. Gleichzeitig sind viele unterschiedliche Interaktionspartner Teil dieses Prozesses. Diese vielen Partner müssen ein gemeinsames Verständnis für die notwendigen Regeln der Zusammenarbeit entwickeln, damit Qualität und Sicherheit bestmöglich sichergestellt werden kann.

Was erhofft ihr euch von dem Code of Conduct – und was ist der praktische Nutzen?
Zentrale Zielsetzungen für den Code of Conduct sind mehr Transparenz, Qualität und Sicherheit im Programmatic Advertising. Es geht um die Fragen, in welchem Umfeld eine Anzeige erscheint, um technische Aspekte bei der Kampagnenaussteuerung oder um die Ermöglichung zur Messung von Sichtbarkeit. Der Code of Conduct der Fokusgruppe Programmatic Advertising ist dabei eine von vielen Maßnahmen, die zur Transparenz und Qualität digitaler Werbung insgesamt beiträgt. Der BVDW versteht seine Aufgabe darin, die Rahmenbedingungen zu definieren und praxistauglich umzusetzen.

Wie verbindlich ist denn dieser “Knigge für Programmatic”?
Diese Selbstverpflichtung ist für die Unterzeichner bindend. Wer sich nicht daran hält, muss mit Sanktionen rechnen.

Wie sehen diese über den Entzug des “Gütesiegels” hinausreichenden Sanktionen aus?  Und wie und von wem werden sie umgesetzt?
Je nach Schwere des Verstoßes können zusätzlich zur Rüge weitere Sanktionen (öffentliche Bekanntgabe der Rüge, Suspendierung, Ausschluss) verhängt werden – in Abhängigkeit zur Schwere des Verstoßes und der Reaktion des Unternehmens auch kumulativ oder gestaffelt verhängt. Diese treten in Kraft, sollte das Unternehmen in der mit der Rüge gesetzten einwöchigen Frist keine Abhilfe geschaffen haben. Eine öffentliche Kommunikation des Fehltrittes dürfte jedes Unternehmen vermeiden wollen.

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